50jähriges
Gemeindejubiläum in Lamar, Ind.
"Wir gehen hinauf nach Jerusalem", so hat wohl mancher Familienvater in und um Lamar am 1. Adventssonntag zu den Seinen gesprochen. Galt es doch das goldene Jubiläum der St. Peters-Gemeinde zu feiern. Ob der Himmel auch grau drein schaute, so kam doch alles, was eben nur abkommen konnte.
Mit dem Lied "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" nahm der Festgottesdienst seinen Anfang. Den Altardienst versah Pastor Wm. Cramm von Dubois, Ind. Der Festpredigt hielt Pastor A. Egli von Sandusky, Ohio. Er legte seiner Predigt die Worte Luk. 19, 9 zugrunde: "Heut ist diesem Hause Heil widerfahren." Da Pastor Egli einst neun Jahre an dieser Buschgemeinde gestanden, aus eigner Erfahrung den Gang der Gemeinde kannte und nun hinschaute auf das Einst und Jetzt, so war nicht nur der Text glücklich gewählt, sondern seine Ausführungen waren interessant; aber auch manches Auge wurde feucht, als er alte Errinnerungen berührte. Nach der Predigt wurde vom Ortspastor Pastor Thomas der Festbericht verlesen.
Dem Morgengottesdienst schloß sich eine 2½ stündige Pause an, in der all Kirchgänger vom Frauenverein bewirtet wurden. Im Nachmittagsgottesdienst redete zuerst Pastor W. Cramm, ein Kind unserer Muttergemeinde zu Fulda, Ind. Seine Predigt aus Hes. 47, 1 - 12 war hauptsächlich an die Jugend gerichtet. Nach ihm sprach zu der Festversammlung der ehrwürdige Vizepräses des Indiana-Distrikts, Pastor P. Repke. Die ganze Feier war eine erhebende, und noch jetzt reden die Leute von den segenreichen Stunden. Die Festkollekte mit der vorher abgehaltenen Hauskollekte betrug $332.76.
Zum Jubelfest wurde die Kirche innen neu angestrichen. Die Kosten zahlten die Gemeindeglieder. Der Frauenverein stiftete die neue Altardecke und die Kanzelbekleidung, beides mit goldgestickten Sprüchen versehen. Die Sonntagschule bezahlte die drei in meisterhafter Weise ausgeführten Wandsprüche.Der Jugendverein unterstützte die übrigen Arbeiten.
Aus der Geschichte der Gemeinde sei folgendes bemerkt: Im Jahre 1861 wurde die St. Peters-Gemeinde mit 15 Familien gegründet. Da diese Leute aus der lutherischen Landeskirche Bayers kamen, schlossen sie sich zuerst vor dem Jahre 1861 unserer lutherischen Nachbargemeinde Boston an. Dort fanden sie aber nicht das Gewünschte; sie trennten sich von der Missouri-Kirche und bauten sich eine eigene Kirche, hoch auf einem Berge, mitten im Busch. Dieses erste Gotteshaus wurde am Gründungstag der Gemeinde, dem 1. Dezember 1861 (1. Advent), von Pastor Gübner eingeweiht. Doch war diese Gemeinde noch keine selbstständige, sondern eine Missionsgemeinde, und wurde vom Jahre 1861 - 1864 von den Pastoren, Svolanik, Müller und Gübner, teils von Buffaloville, teils von Cannelton aus bedient, Erst im Jahre 1865 erhielt die Gemeinde in Pastor M. Albert ihren eigenen Seelsorger. Da dieser aber in Fulda, Ind., seinen Wohnsitz hatte und eigentlich Pfarrer der evang. Dreifaltigkeits-Gemeinde zu Fulda-Kratzburg war, blieb die St. Peters-Gemeinde zu Lamar noch immer bis zum Jahre 1892 Filial, als pastor A. Egli von Fulda nach der größeren Gemeinde Lamar übersiedlte. Diese Wohnungswechsel brachte ganz von selbst der St. Peters-Gemeinde viele Veränderungen mit sich. Zuerst wurde der Gemeinde eine neue synodale Gemeinde-Ordung gegeben. Das heute noch stehende große Pfarrhaus wurde unter Pastor Egli erbaut. Fünf Acre Buschland wurde gekauft, doch sind sie längst kein Buschland mehr. Da die alte Kirche vom Jahre 1861 nicht mehr den Verhältnissen entsprach, wurde während Pastor A. Büttners Amtszeit diese neue gebaut. 1909 erbaute man eine neue Schule. Im April dieses Jahres wurde dasPfarreigentum verbessert. Alles macht jetzt einen guten Eindruck. Die Gemeinde ist schuldenfrei.
An dieser Gemeinde haben folgende Pastoren gestanden: Vom jahre 1861 - 64, Svolanik, Müller, Gübner als Missionsarbeiter; M. Albert, 1865 - 69; F. Frick, 1869 - 76; E. Nolting, 1876 - 82; E. Bourquin, 1882 - 87; F. Wölfle, 1887 - 91; A. Egli, 1892 - 1901; A. Büttner, 1901 - 03; Ch. Meyer, 1903 - 08; P. Saffran, 1909 - 10; P. Thomas - dato. Von diesen Pastoren leben nur noch vier. Wir grüßen sie an dieser Stelle, besonders die Pfarrwittwen, die meistens noch leben und beim Lesen dieses Berichtes wohl gerne an Lamar-Fulda zurückdenken. -- Amthandlungen, soweit ersichtlich: Getauft 460, konfirmiert 415, aber bis 1891 kinder von Fulda mit eingerechnet, Trauungen 87, Beerdigungen 184. Diese Gemeinde zählt 54 angeschlossene Familien, der Frauenverein 37 Glieder, der Jugendverein 24, Sonntagschüler 108. Möge Gottes Segen und Gnade auch fernerhin walten über der St. Peters-Gemeinde. P. Thomas.
Der Friedensbote, den 31. December 1911, pag. 841, "Aus dem Synodalkreise"